Dieses Interview entstand im Rahmen einer längeren Zusammenarbeit zwischen infra Liechtenstein,vertreten durch Gabi Jansen (Fragen) und Ursula Kraemer, navigo-coaching Friedrichshafen (Antworten)

 

In einer Einzelberatung kann der Coach intensiv auf die persönliche Situation eingehen? Wie sieht das beim Gruppen-Coaching aus? Wie wird dort auf die persönlichen Bedürfnisse eingegangen?

Da die Gruppen klein sind, ist es auch hier möglich, sich intensiv mit den Fragestellungen der einzelnen Frauen auseinander zu setzen. Meist bringen an einem Gruppentreffen nach einer aktuellen Standortbestimmung, in die jede Frau eingebunden ist,  zwei oder drei Teilnehmerinnen ihre Themen aktiv ein, in einer Integrationsrunde arbeiten wir anschließend heraus, welchen Nutzen die anderen aus dem Besprochenen ziehen können.

Was ist der Vorteil der Arbeit in der Gruppe?

Im Berufsalltag gibt es kaum direkte, konstruktive Rückmeldung, in der Gruppe übernimmt nicht nur die Coach diese Aufgabe, auch die Teilnehmerinnen unterstützen sich so gegenseitig.

Außerdem ist eine Coachinggruppe eine wahre Quelle für Synergieeffekte;  hier kommen Informationen, Erfahrungen, Anregungen und Kontakte aus unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern zusammen, die bereichernd wirken.

Im Gespräch mit den anderen Teilnehmerinnen merkt manche Frau, dass das aktuelle Thema sehr wohl auch für sie Relevanz hat, obwohl es ihr bisher nicht bewusst war.

Und nicht zuletzt gibt gerade die Gruppe oft den notwendigen Impuls, endlich die nächsten Schritte zu machen, ganz nach dem Motto: ich wollte heute doch etwas über meine Fortschritte berichten können.

Sich in einer Gruppe zu öffnen, das braucht auch Mut. Wie geht es den Teilnehmerinnen damit?

Das stimmt. Doch jede Frau entscheidet selbst , was sie einbringen will und ob die Bearbeitung eines Themas für sie passt. Sie kann durchaus mit leichteren Themen beginnen und im Laufe der Zeit erkennen, dass Mut belohnt wird mit neuen Erkenntnissen, Entscheidungshilfen und persönlicher Weiterentwicklung.

Was genau ist ihre Aufgabe als Coach in der Gruppe?

Meine Aufgabe als Coach ist es, die Themen der Teilnehmerinnen zu sammeln, zu strukturieren und den Prozess zu begleiten. Dabei ist wichtig, die Fragestellung zu konkretisieren, Methoden  und Interventionen auszuwählen, und dafür zu sorgen, dass zielorientiert gearbeitet wird.

Außerdem achte ich darauf, dass alle Teilnehmerinnen einbezogen werden und wir die gemeinsamen Schwerpunkte im Auge behalten. Denn bei aller Unterschiedlichkeit gibt es doch auch Themen, die alle berufstätigen Frauen beschäftigen.

Die Coaching-Themen gehen doch meist in die Persönlichkeit eines Menschen hinein. Was sagen Sie Interessierten, die Bedenken haben, Persönliches offen zu legen. Welche Regeln gelten bezüglich Vertraulichkeit?

Wie ich vorhin schon sagte, bestimmt jede Frau, was sie einbringen will. Grundsätzlich muss absolute Vertraulichkeit gewährleistet sein, d.h. es gehört zu den Regeln einer Gruppe, dass das, was besprochen wird, nicht nach außen getragen wird. Nur auf dieser Basis ist eine wirklich gute Arbeit möglich.

Welchen Gewinn können Teilnehmerinnen erwarten?

Auf jeden Fall  Impulse, ihre beruflichen Probleme und Hürden zu überwinden. Das können ganz konkrete Aktionen sein, wie das Gespräch mit dem Vorgesetzten vorzubereiten oder Ideen zu sammeln, wie sich die Arbeitsorganisation und das Selbstmarketing verbessert lässt. Wenn die Frauen bereit sind, sich aktiv einzubringen und ihre ‚Hausaufgaben’ zu machen, dann haben sie die Chance, sich persönlich wirklich weiterzuentwickeln.

Mir als weiblicher Coach ist wichtig, das Selbstverständnis und Selbstvertrauen meiner Klientinnen zu stärken, damit sie sich professionell auf dem beruflichen Parkett einbringen können. Und  den Beruf mit den anderen Bereichen des Lebens – sei es eine erfüllende Partnerschaft, eine intakte Familie oder eine sinnspendende und bereichernde Freizeit –  zu verbinden.

Denn wenn es den Frauen gut geht , sie sich selbst wertschätzen und dieses auch von anderen erfahren,  dann geht es auch ihrem Umfeld gut. Und das ist für mich ein lohnenswertes Ziel.